Hessenliga

FTV 1- Neuberg 2: 6:2

von Ludger Brüggemann

Schon vor dem vorletzten Saisonspiel war klar: beim Auf- und Abstieg mischen wir nicht mehr mit, und so konnten wir gelassen in diesen Mannschaftskampf gehen.

Brett 1, Ludger (s) 0:1

An diesem Sonntag war der Altersdurchschnitt an den ersten Brettern durch zwei Jungstars deutlich gesenkt: In unserer zweiten spielte ja Bennet an eins, mein Gegner war der nur wenige Jahre ältere Richard Bethke. Nach einer flott heruntergespielten Variante im Sizilianischen Richter-Rauser-System hat mein jugendlicher Gegner seine Angriffsmöglichkeiten wohl nicht voll ausgeschöpft und mir einen günstigen Damentausch ermöglicht. Danach fühlte ich mich mit meinem aktiven Läuferpaar und der besseren Bauernstruktur sehr wohl. Vielleicht zu wohl, denn einen Zug vor und nach der Zeitkontrolle beging ich zwei grobe Ungenauigkeiten bzw. Fehler, die mich einen wichtigen Bauern kosteten. Danach hatte ich noch die Hoffnung, die Partie durch Abtausch möglichst vieler Bauern retten zu können, landete aber in einem Turmendspiel, wo mir letzlich ein Tempo fehlte.

Brett 2, Sven (w) 1:0

Sven hatte ziemlich schnell positionellen Druck aufgebaut und einen wichtigen Zentralbauern erobert, nachdem sein Gegner mit einer fehlerhaften Abwicklung diesem Druck begegnen wollte. Danach ließ er nichts mehr anbrennen und brachte in einem Schwerfigurenendspiel den Punkt sicher nach Hause .

Brett 3, Ingo (s) 1:0

Hier kam eine Variante des Zweispringerspiels im Nachzug aufs Brett, die man wohl preußisch nennt (1.e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lc4 Sf6 4. Sg5 d5). Ingo zeigte, dass er sich darin gut auskennt, zumindest schien es mir so. Durch das Bauernopfer erhält Schwarz ja in dieser Variante sehr aktives Spiel, es ist aber alles sehr verwickelt. Wie es dann von seiten des Weißen zu einem Turmopfer kam, habe ich nicht gesehen, vielleicht war es ja Verzweiflung?! Jedenfalls hat Ingo in der Verteidigung die Klippen sicher umschifft, und die Partie war durch den großen Materialvorteil schnell zu Ende.

Brett 4, Michael (w) 0:1

Erfreulich war, dass Michael auf Heimaturlaub war und noch einmal in dieser Saison für uns spielen konnte. Was ihn selbst am meisten geärgert hat, war wohl, dass er die Partie noch vergeigt hat, nachdem sie lange Zeit aus meiner Sicht entweder besser für ihn stand oder zumindest unklar war. Beide Spieler befanden sich in Zeitnot, und wie das Ende kam, habe ich selbst nicht mitbekommen, da ich mit meiner eigenen Zeitnot kämpfte.

Brett 5, David (s) 1:0

David spielte gegen das andere Neuberger Jungtalent, Robert Bethke, den Bruder meines Gegners vom ersten Brett. Hier ist Davids eigener Bericht:

Ich spielte ausnahmsweise am 5. Brett und bekam es mit dem Neuberger Nachwuchstalent, Robert Bethke zutun. Mein Gegner hatte Weiß und wählte in der Englischen-Eröffnung das Fischer-System, welches durch die Bauernstellung auf g3 und e3 charakterisiert wird. Dieser flexible Aufbau ermöglicht es dem Weißen noch viele verschiedene Bauernformationen anzustreben und bereitet unter anderem ein schnelles d4 vor, was auch in der Partie passierte. Ich entschied mich für einen soliden Philidor-Aufbau, der schwer zu knacken ist und die Partie erst einmal in ruhigere Fahrwasser lenkt. Nach der kurzen Rochade entwickelte ich früh meinen weißfeldrigen Läufer, da dieser häufig zu einem Problemkind werden kann. Mit meinem Läufermanöver nach g4 und danach nach e6 lockte ich die gegnerischen Bauern nach vorne, wodurch ich unter anderem das schöne Feld c5 für meinen Springer bekam. Mein Gegner machte auch ein Läufermanöver, welches sich aber als zu langsam herausstellte, in der Folge konnte ich viel Raum am Damenflügel durch eine Bauernexpansion der a- und b-Bauern einnehmen. Durch den Raumvorteil konnte ich meine Figuren auf gute Felder stellen. Mein Gegner wollte Gegenspiel am Königsflügel durch die Öffnung der f-Linie erhalten, was allerdings wohl zu spät geschah. Er strebte Verwicklungen durch einen Einschlag auf e5 an, die sich aber als für mich gut erwiesen. Nachfolgend gelangte mein Turm über die f-Linie nach f2 und der weiße König wurde auf h3 mattiert.

Brett 6, Jerome (w) 1:0

Jerome ist mit 5 aus 5 unser Topscorer. 100 Prozent bei fünf oder mehr gespielten Partien hat nur noch einer in der Liga, nämlich Artur Frolov vom Spitzenreiter Bad Emstal. Auch an diesem Sonntag war es ein typischer Jerome-Sieg: positionell ruhig spielen, langsam Vorteile anhäufen, ein bisschen Material gewinnen, Vorteil verwerten. So kann es im letzten Spiel im Mai und nächste Saison ruhig weitergehen!

Brett 7, Gerardo (s) 1:0

Ziemlich früh in der Eröffnung erschien die gegnerische weiße Dame über h6 kommend auf g7, nachdem die Fianchettoläufer abgetauscht waren. Sie wollte da wohl Unheil anrichten und sackte tatsächlich auch den h-Bauern ein. Was der Weiße aber nicht ausreichend gewürdigt hat: Sie war dort allein auf weiter Flur und wurde von den aktiven schwarzen Figuren bedrängt. Als ich das nächste Mal aufs Brett schaute, hatte Gerardo schon eine Figur mehr. So dachte ich jedenfalls. Paul machte mich aber darauf aufmerksam, dass ich nicht richtig gezählt hatte und es schon zwei Mehrfiguren waren. Folgerichtig war die Partie dann auch schnell vorbei.

Brett 8, Paul (w) 1:0

Paul hatte sich einen extra schönen Frühlingstag ausgesucht, um mal wieder als Ersatzmann einzuspringen. Und zuerst dachte ich, er müsse nach seiner langen Spielpause erstmal in der Eröffnung meditieren. Denn er verbrauchte viel Zeit für die ersten Züge. Seine Gegner, Frank Drill, zog aber später mit der Bedenkzeit nach, so dass beide in Zeitnot kamen. Und das in einer hochkomplizierten Stellung mit entgegengesetzten Rochaden und gegenseitigem Königsangriff. Unruhe kam auf, als Frank nur noch seine eigenen Züge mitschrieb und das mit der Zeitnot begründete. Er wurde aber vom Schiedsrichter Peter Ortinau darauf hingewiesen, das wegen der 30 Sekunden Bonus pro Zug Schreibpflicht besteht. Auch hier habe ich das genaue Ende der Partie nicht gesehen, aber noch vor der Zeitkontrolle hieß es im 39. Zug: 1:0

Landesklasse

FTV 1860 2 – Matt im Park 3,5:4,5

von Peter Ortinau

In der vorletzten Runde ging es für uns bereits um nichts mehr, außer die Saison vernünftig zu Ende zu bringen. Ganz anders sah es da bei unseren Gästen aus. Matt im Park war vor der Runde punktgleich und Brettpunktgleich an der Tabellenspitze, so dass sie um jeden halben Brettpunkt kämpften. „Sicherheitsremisen“ gab es bei ihnen somit nicht…

Wie so oft diese Saison überließ Bao das vorsichtige Abtasten lieber den anderen Brettern und attackierte den Gegner früh auf dem schwachen Punkt f7. Im Gegenzug stand bei ihm f2 unter Feuer, was Bao ignorierte. Da der Einschlag auf f2 aber unter Schachgebot erfolgte, war der Gegner einfach schneller und eroberte eine Figur und gewann locker die Partie: 0:1.

Peer musste sich als nächstes in sein Schicksal ergeben. Er hatte einen Bauern eingebüßt und wollte mit dieser Hypothek lieber nicht ins Endspiel abwickeln. Stattdessen wählte er ein Ende im Harakiri-Stil, mit dem er das Ruder aber nicht mehr herumreißen konnte: 0:2.

0:2 nach 2 Weißpartien, auch bei mir schwammen inzwischen die Felle davon, es sah nach einer richtigen Klatsche aus. Ein besseres Brett konnte ich nicht wirklich ausmachen. Jan fragte mich, ob ein Remis ok sei, was ich bejahte. Da er bei meinem nächsten Rundgang noch spielte, befürchtete ich das Schlimmste. Doch beim übernächsten Rundgang hieß es plötzlich nur noch 1:2. Wie Magier Jan das vollbracht hat, entzieht sich leider meiner Kenntnis. Aber gute Magier verraten ihre Tricks ja auch nicht!

Die Gäste konnten den Abstand aber schnell wieder ausbauen. Grover fand nicht so richtig in die Partie und verlor schließlich, ohne dass ich das Ende mitbekommen hätte: 1:3.

Einen letzten Hoffnungsschimmer steuerte mein Gegner dann noch bei: Ich hatte einen Bauern für Angriff geopfert, den ich in meiner unnachahmlichen Art in den Sand setzte. Dann war der zweite Bauer weg. Bei knapper Zeit des Gegners versuchte ich den Angriff wieder in Gang zu bringen. Er opferte eine Qualität zur Vereinfachung der Stellung und landete im Endspiel mit Läufer und zwei Mehrbauern gegen meinen Turm. Aufgrund seiner gesunden Bauernstruktur war ein Sieg meinerseits eigentlich ausgeschlossen. Mein Gegner versuchte nun, auf dem Königsflügel durchzubrechen, was mir aber Konterchancen am Damenflügel ermöglichte. Dies resultierte in beidseitig gefährlichen Freibauern, wobei sich meine als die schnelleren erwiesen: 2:3.

Das Problem war nun, dass wir bei allen drei verbliebenen Brettern eher schlechter standen. Corinna rettete sich in ein Remis, nachdem ihr Gegner über eine Stunde lang vergeblich versucht hatte, ein Endspiel mit 2 Leichtfiguren gegen Turm zu gewinnen: 2,5:3,5.

Bennet war im Endspiel auf einem grauenhaft schlechten Läufer sitzengeblieben. Als sein Gegner versuchte dies auszunutzen, lief er aber in ein Dauerschach: 3:4.

Bei Thomas war zwar noch einiges auf dem Brett, doch der Gegner stand deutlich aktiver und es war nicht zu sehen, wir Thomas zu Gegenspiel kommen sollte. Somit war die Punkteteilung durch Zugwiederholung ein vernünftiges Ergebnis: 3,5:4,5.

Trotz der zweiten Niederlage in Serie sind wir weiterhin auf dem dritten Tabellenplatz und damit im Niemandsland. In der Schlussrunde geht es gegen Brett vorm Kopp 2, die sich etwas überraschend noch in Abstiegsgefahr befinden.

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