Europod 2019

Europod-Austausch

von Robert Fedler

Vorweg eine Überraschung: Obwohl wir mit Dominik und Robert zwei unserer kommunikativsten Mitglieder im Januar nach Birmingham sandten, einen Austauschpartner zu finden, blieb deren Erfolg trotz aller Bemühungen aus. Entsprechend galt „Business as usual“, als unsere französischen Partner von Lyon Olympique Echecs in der ersten Juliwoche für den jährlichen Europod-Austausch den Zug nach Frankfurt nahmen. Für die, die den Austausch nicht kennen: Einmal alle zwei Jahre besuchen unsere französischen Freunde mit normalerweise etwa zehn Jugendlichen und deren Betreuer Lionel, der uns längst ans Herz gewachsen ist, Frankfurt. In den jeweils anderen Jahren haben unsere Kinder die Chance, umgekehrt in französischen Familien unterzukommen und eine Woche zwischen Croissants und Baguette und Rotwein in deren Kultur einzutauchen.

Auffällig ist, dass die französische Verteidigung entgegen der Klischees nur durch Jan Anwendung fand, der bekanntermaßen des Französischen abseits des Schachbretts nicht mächtig ist.

Leider wurde das französische Pendant zum Hauptschulabschluss um eine Woche verlegt, der Hitze sei Dank. Aufgrund dessen und weiterer Ausfälle haben wir deshalb nur sechs Jugendliche empfangen dürfen. Aufgrund der unglaublichen Gastfreundschaft, die die deutschen Familien den Franzosen auch dieses Jahr gewährt haben, ist ganz sicher, dass auch 2019 ein unvergessliches Erlebnis für alle Kinder geworden ist.

Begonnen hat das mit dem Grillen in Hendriks Garten, wo Abteilungsfeier und Austausch vereint wurden. Nachdem Dominik unsere Freunde aus Lyon am Bahnhof abholte und zu dem Garten brachte, in dem dank Hendrik, Roberts Freundin und Robert bereits alles vorbereitet war, konnte der Auftakt so richtig losgehen.

Während anfänglich noch klar die Sprachbarriere regierte, wurde, sobald Schachbretter auf dem Tisch landeten, wild drauflos gespielt. So kam es oft genug auch vor, dass unqualifizierte Zwischenrufe von Lionel und Robert manchem Kind die Stellung zerstörten. Zwischen Softdrinks und Merguez wurde die deutsch-französische Freundschaft gefeiert. Da die Betreuer noch bis tief in die Nacht bei Wasser und Brot zusammensaßen und gesellig Geschichten austauschten, ging es am Folgetag erst um 14 Uhr los. Die Besteigung des Main Towers erfolgte bei 39 Grad im Schatten, dennoch gab es keine Hitzeschläge zu verzeichnen. Nicht unglücklich waren die Kinder also, nach guter Wegfindung durch Dominik und einem dekadenten Mahl bei Best Worscht in Town in dem Verein anzukommen. Dort also wurde viel geblitzt und Karten gespielt, in aller Kühle, die die Aussenwelt nicht bieten konnte.

In den folgenden Tagen spielte uns das Wetter voll in die Karten. 25 bis 30 Grad waren ideal für das angedachte Programm. Auch, wenn es einen kleinen Vertrauensbruch gab, als auf französischer Seite beim Minigolf ein „Rechenfehler“ den Gesamtsieger kürte, lief ansonsten alles sehr fair ab und der Sportsgeist stand, auch bei den vielen Runden Fußball, immer an erster Stelle. Hier muss allerdings betont werden, dass die Teilnehmer des Austauschs alle Schachklischees erfüllten, als auf einem kleinen Feld mehr Nachspielzeit als reguläre Spielzeit erforderlich war, um einen Gewinner zu finden. Leider scheint die Schussgenauigkeit außer bei Jan, der die Betreuerehre hoch hielt, unter uns Schachspielern nicht sehr ausgeprägt zu sein und „Das Runde muss ins Eckige“ bedeutet nur, dass wir die Bauern mit der runden Form auf die zweiten und siebte Reihe mit ihren Quadraten stellen.

Weitere Highlights waren das Schwimmbad, wo unter anderem Betreuerweitwurf gespielt wurde, Jans und Roberts Brötchen, die sehr liebevoll belegt wurden und auch das Schachkegeln. Hier wurden spontan Regeln ersonnen und dann in Viererteams gespielt. Wie im normalen Schach spielt die jeweils erste Nummer der Mannschaft gegeneinander, genau wie die darauffolgenden Spieler. Anders ist aber, dass man zuerst gegeneinander kegelt und dann basierend auf der Differenz an Pins vor oder Nachteil erhält. Das beginnt mit einem Mehrbauern, kann aber damit enden, dass das dritte Schach bereits zum Gewinnen reicht. Nach einer Gruppenphase kristallisierten sich zwei Teams als den anderen überlegen heraus und trugen ein Finale untereinander aus. Hier musste Jans Team nach einem 2:2 aufgrund der dann von Robert spontan angewandten Berliner Wertung eine Niederlage gegen Team Robert hinnehmen. Und wieder einmal zeigt sich, warum Regeln schaffen, anwenden und auslegen am besten bei verantwortungsvollen Personen liegen sollte, die im Idealfall nicht mitspielen.

Als besonderes Event waren wir dieses Jahr im Opelwerk in Rüsselsheim. Auch, wenn wir dort viele spannende Einblicke erhalten haben, lag leider viel still aufgrund eines Problems in der Produktionskette. Dennoch war es an sich nicht schlecht. Abschließend möchte der Autor noch einmal die Gelegenheit nutzen und den Eltern danken, die gerne unsere französischen Partner aufgenommen haben und beeindruckend engagiert gezeigt haben, was Gastfreundschaft bedeutet. Genau deswegen freuen sich sowohl unsere als auch die französischen Kinder schon sehr auf das nächste Jahr und auf das Wiedersehen ihrer alten und neuen Freunde!

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