Hessenliga

FTV 1860 I - Bad Homburg I 2:6

von Ludger Brüggemann

Gegen die Überraschungsmannschaft der Hessenliga gab es eine deutliche Niederlage, in dieser Höhe sicher auch unerwartet. Dennoch spiegelt dieses Ergebnis auch den Spielverlauf wieder. Nach meiner Einschätzung gab es an keinem Brett echte Chancen, die ausgelassen wurden. Wir waren zwar ersatzgeschwächt, da Ingo und Michael ausfielen, aber auch Bad Homburg trat mit einem Ersatzspieler an. Es hatten einfach zu viele von uns keinen guten Tag erwischt. Die drei unentschiedenen Partien hatten sehr unterschiedlichen Charakter: Murat, der ja meist die längsten Partien spielt, war diesmal als erster fertig: In einer italienischen Partie war schnell die Luft raus und keiner wollte wohl was riskieren, also: remis. Zu diesem frühen Zeitpunkt des Mannschaftskampfes war das böse Ende auch noch nicht absehbar. Die anderen beiden Remis-Partien waren aber hart umkämpft: Gerardo lieferte sich mit seinem Gegner einen Schlagabtausch mit hängenden Figuren und Opfern, wo ich als Außenstehender nicht so recht durchblickte. Die Verwicklungen mündeten in einem Leichtfigurenendspiel mit Freibauern auf beiden Flügeln, was immer noch kompliziert war. Nach weiteren Abtäuschen endete diese Kampfpartie dann im Remis. In meiner eigenen Partie wurde ich im Sizilianer mit Alapin (2.c3) konfrontiert, was ich eigentlich gar nicht mag. Ich kam aber trotzdem ganz gut aus der Eröffnung und hoffte auf Vorteil mit meinem Läuferpaar. Vielleicht habe ich irgendwo eine vorteilhafte Abwicklung verpasst, den Computer habe ich dazu noch nicht befragt. Ich setzte meine Hoffnungen auf die schwachen weißen Zentrumsbauern, die ich in dem entstandenen Endspiel erobern wollte. Die Materialverteilung (ungleichfarbige Läufer plus Turm) schien dafür gut geeignet. Leider wurde dadurch der weiße Turm aktiv und stellte fiese Drohungen im Verbund mit dem Läufer auf. Da hätte ich eigentlich Zuflucht in einer Zugwiederholung nehmen sollen, zumal der Mannschaftskampf da eh schon verloren war. Aber ich hatte ja zwei Freibauern und mein Gegner nur einen, da wollte ich noch etwas versuchen. Das wäre beinahe ins Auge gegangen, denn mein König geriet in akute Mattgefahr, aus der es nur über einen schmalen Grat ein Entrinnen gab. Auch die fünf Verlustpartien waren sehr unterschiedlich: Sven wich einigen Abtäuschen aus und hatte ab dem Mittelspiel eine passive Stellung. Dann wurde er am Königsflügel überrollt. Jérômes Partie war sehr kompliziert. Auch er erlitt am Königsflügel Schiffbruch. Aber das sah nicht immer so klar aus. Jan war aus der 2. Mannschaft eingesprungen und hatte sich in einem Benoni eine Stellung erarbeitet, die vordergründig ganz aktiv aussah. Dann nahm er einen Bauern auf a6, was dem Gegner aber Zeit gab, das weiße Zentrum zu unterminieren. Dann war leider auch plötzlich eine Figur weg und die weiße Stellung nur noch ein Trümmerhaufen. Die unverzügliche Aufgabe war dann auch voll berechtigt. Unsere Youngster Bennet und Lucas an den Brettern 6 und 7 kämpften lange gegen die drohende Niederlage. Beide hatten durch Stellungsschwächen Minusbauern, die die Gegner im Endspiel sicher verwerten konnten. In den verbleibenden drei Runden müssen wir uns deutlich steigern, damit wir nicht noch weiter abrutschen. Der nächste Kampf am 8. März gegen Brett vorm Kopp hat dabei schon vorentscheidenden Charakter.

Landesklasse

FTV 1860 II - Bergwinkel I 5,5:2,5

von Thomas Casagrande

Vorweg gleich die gute Nachricht: Dank einer bärenstarken Performance fast unserer gesamten Mannschaft haben wir glorreich mit 5,5 zu 2,5 gegen Bergwinkel gewonnen.

Besondern Dank gehört dabei unseren Ersatzspielern, die uns halfen das Fehlen von 5 Stammspielern fast völlig zu vergessen. Da Lucas und Jan in die 1. Mannschaft aufrücken mussten, Peter, Max und Peer fehlten, durfte Grover unser Spitzenbrett einehmen. Er tat dies in souveräner Art und Weise. Sicherlich entsprach ihm das sich entwickelnde Spiel: positionell und geduldig baute Grover langsam Druck auf, der am Ende in den Gewinn eines Bauern mündete und mit einem gewonnenen Turmendspiel belohnt wurde.

Ich spielte an zwei und war lange Zeit mit der Stellung recht zufrieden. Mein Gegner opferte in seinem Franzosen früh die Qualität, setzte meine Stellung unter Druck und suchte nach einem Gewinnweg. Ich wartete ab und vertraute auf meine Einschätzung, dass das Opfer auf Dauer nicht reichen würde. Langsam bekam ich auch meine Zeit in den Griff, sodass ich Gelegenheit fand ab und zu auf die anderen Bretter zu schauen. Es sah recht bald gut für uns aus. Einzig Elias an Brett 7 hatte meiner Meinung nach vielleicht mit Weiß etwas zu wenig in einem scharfen Drachen. Er hatte zwei Bauern geopfert und sein Angriff drang dann letztendlich wohl nicht durch, denn der Punkt ging an den Gegner.

Nils, Bao, Stefan, Mario und Maximilian standen nach meiner Einschätzung gut. Vielleicht war ich mir bei Stefan nicht ganz so sicher mit der Bewertung der Stellung, aber mein Vertrauen hatte er trotzdem voll und ganz, da ich auch schon leidvoll Erfahrung mit seiner Spielstärke gemacht hatte. Vor allen Dingen aber Maximilian an 8 schien mir früh auf der positionellen Gewinnerstraße zu sein und fuhr den Punkt dann auch souverän ein.

Leider konnte ich die Entwicklung an den anderen Brettern mit fortschreitender Stunde nicht mehr genau verfolgen, denn ich hatte auf meinem Brett bald einiges zu tun. Obwohl ich nach wie vor davon überzeugt war auf Dauer den Punkt für uns machen zu können und ich mich inzwischen auch mit meinen Zeitproblemen ausgesöhnt hatte, ließ mein Gegner nicht locker und ich musste mich in die Stellung vertiefen. Ich bekam dann nur noch mit, dass Nils in einer scheinbar "ruhigen" Stellung ein schönes Matt fand.

Während also Nils reüssierte, schwammen mir die Felle davon. Wie ein Kaninchen vor der Schlange begann ich auf die Uhr zu starren. Obwohl oder gerade weil mein Gegner nur noch 9 Minuten für ca. 15 Züge hatte und ich inzwischen besser aussah mit meinen knapp 20 Minuten, wuchs die Zeit zu einem mir leider altbekannten Monster heran. Statt wie bis dahin in Ruhe zu denken bis ich einen umfassend befriedigenden Zug gefunden hatte, versuchte ich meinen "Zeitvorsprung" zu "halten". Na ja, man kann sich das grausige Ende denken. Es war nicht so, dass ich á Tempo die Partie einstellte. Aber der todbringende Zug wurde von mir auch nicht noch einmal abgesichert oder geprüft. Ich zog ihn, die rechte Bretthälfte im Focus, die linke ein blinder Fleck. Sobald ich gezogen hatte, sah ich: Aus die Maus. Die Partie ist gelaufen. Die einzige Frage war: Sieht er es auch? Es war wohl nicht zu übersehen und der Rest war zappenduster mit Verlust von Haus und Hof und Partie. Schrecklich! Das sitzt mir in den Knochen. Nur gut, dass wir soviel junge nervenstarke Spieler im Team haben, denen so was nicht so leicht passiert. Na und dann ist da ja auch noch Grover. Unverwüstlich! Und ich: Tja," no country for old men", oder besser "chess, no game for old men". Ist das Einzige was mir dazu einfällt.

Bezirksoberliga

FTV 1860 III - Bad Vilbeler Sfr. I 2:6

von Günther Reinhold

Die erste Mannschaft aus Bad Vilbel war nominell sicher Favorit, besonders an den ersten drei Brettern, allerdings gab ein kampfloser Punkt an Brett 4 zunächst etwas Hoffnung und bescherte Oli einen freien Nachmittag. Zudem konnte Phillip an Brett 8 schnell gewinnen. Er hatte mit Weiß ein starkes Zentrum errichtet, wie er dann zum schnellen Sieg kam, konnte ich nicht beobachten. Das war es dann aber auch schon, jedenfalls was Punkte angeht.

Bei Dirk an Brett 3 waren bei geschlossener Struktur längere Zeit viele Figuren auf dem Brett, mehr habe auch hier nicht mitbekommen, außer dass die Partie verloren ging. An Brett 1 und 2 konnten Dominik und Robert jeweils gute Stellungen gegen nominell stärkere Gegner erspielen. Leider verpasste Robert aber den richtigen Moment für einen gewinnbringenden Generalabtausch der Schwerfiguren, wie am Vereinsabend demonstriert wurde. Als er diesen an sich richtigen Plan dann umsetzte, konnte sein Gegner mit Hilfe von „fiesen“ Zwischenschachs das Ruder herumreißen und gewinnen.

Leider verlor auch Dominik, eigentlich nicht für langsames Spiel bekannt, weil er seine Bedenkzeit nicht beachtet hatte und sein Gegner Zeitüberschreitung reklamieren konnte. Verloren gingen auch die beiden Schwarzpartien von Uli und Alice an Brett 5 bzw. 7, erstere nach eher lebhaftem Figurenspiel, letztere nach einer ruhigen Eröffnung im Colle-Stil. (Notiz am Rande: Zufällig traf Uli einen Tag später in der 2. Runde des 4er-Pokalturniers auf denselben Gegner und konnte sich durch ein Remis teilweise revanchieren.)

Meine eigene Partie (Weiß an Brett 6) war mal wieder die längste, was uns aber nichts nützte. In einem Franzosen mit entgegengesetzten Rochaden hatte ich Mühe, meine Figuren zur Geltung zu bringen, bis mein Gegner mit einem Mehrbauern in Vorteil kam. Er überspannte den Bogen, indem er einen zweiten Bauern verspeiste, worauf ich unter Qualitätsopfer zu einem Angriff kam, der bei bestem Spiel zu Dauerschach geführt hätte. In Zeitnot (vielleicht auch sowieso) konnte ich die beste Fortsetzung nicht finden, das Endspiel war dann aussichtslos.

Endstand 2:6 - eine Niederlage, die stärker umkämpft war, als es die Höhe vermuten lässt. Wir halten uns immerhin noch auf dem drittletzten Platz der Tabelle.

Bezirksklasse

FTV 1860 IV - Bad Vilbeler Sfr. II 5:3

von Hendrik Raab

Am Ende unseres Mannschaftskampfes stand ein knapper Sieg, der die Aufstiegshoffnungen erhält.

Wir lagen schnell 1:0 in Führung. Unser jüngster Mitspieler, Konstantinos, spielte an Brett 7 eine saubere Eröffnung und profitierte frühzeitig davon, dass sein Gegenspieler im Mittelspiel die Dame stehen ließ. Ein gelungener wie auch glücklicher Auftakt.

Ebenso einigte sich Aleks noch innerhalb der ersten Spielstunde an Brett 2 auf ein schnelles Remis. Hierfür holte er bereits vor Spielbeginn meine Erlaubnis als Mannschaftsführer ein, die ich natürlich gerne und bereitwillig gewährte. 1,5:0,5

Den sich anschließenden Sieg von Andy an Brett 4 habe ich ebensowenig mitverfolgen können wie das Remis von Jens an Brett 8, da ich in meiner eigenen Partie stark gefordert war. Jedenfalls stand es nun nach noch relativ kurzer Gesamtspielzeit (ca. 2 Stunden) bereits 3:1.

Und auch Johannes‘ Partie an Brett 6 sollte einem baldigen Ende entgegen gegen – hier leider weniger glücklicher für uns. In einer relativ ausgeglichenen Stellung übersah Johannes leider ein einzügiges Matt, wie mir später berichtet wurde. 3:2.

Ebenso noch in der dritten Spielstunde konnte Frederik an Brett 3 seine Partie nach Hause bringen, er hatte zunächst Stellungs-, dann auch Materialvorteil und gewann souverän. 4:2. Nun hing es an den beiden letzten laufenden Partien von Michael an Brett 4 und mir an Brett 1. Objektiv standen wir wohl beide auf Verlust, benötigten aber noch mindestens einen halben Punkt für den Mannschaftssieg. Beide Stellungen boten zumindest Potential zum Kämpfen.

Ich stand nach der Eröffnung positionell bereits richtig gut und hatte aufgrund einer irreparablen Bauernschwäche meines Gegners bereits einen langfristigen Gewinn der Partie vor Augen. Bei dem Versuch der sukzessiven Stellungsverbesserung unterlief mir leider ein Fehler, welcher dazu führte, dass sich meine Königsstellung öffnete. An und für sich immer noch alles in Ordnung, doch in den Angriffsbemühungen meines Gegners auf dem Königsflügel griff ich trotz intensiver Berechnungen an einer Stelle daneben – was mich die Dame gegen Springer und Turm kostete. Ein bald darauf folgender Fehler meines Gegners wiederum eröffnete mir dann zumindest die Möglichkeit eines fest gedeckten Freibauers auf der 7. Reihe, verbunden mit Drohungen des Einzugs. Durch Zugwiederholung willigte mein Gegner in ein Remis ein. 4,5:3,5.

Mittlerweile hatte sich auch Michael zurückgekämpft und inzwischen sogar eine leicht vorteilhafte Stellung auf dem Brett. Angesichts des Gesamtspielstandes und dem Gefühl, an diesem Tag in nicht ganz so guter Form zu sein, willigte auch Michael in ein Remis ein. 5:3. Ein insgesamt gelungener Mannschaftskampf.