von Ludger Brüggemann
1) Amir (s) 0:1
2) Sven (w) 0,5:0,5
3) Ludger (s) 0:1
4) Murat (w) 1:0
5) Michael (s) 0:1
6) Markus (w) 0:1
7) Gerardo (s) 0,5:0,5
8) Marc (w) 0:1
Wir hatten mit Hofheim den bisher verlustpunktfreien Tabellenführer zu Gast und wurden ganz schön überfahren.
Im Vorfeld hatten wir uns gewisse Chancen ausgerechnet, da die Hofheimer nicht immer in Bestbesetzung angetreten sind. Und bei uns war es fast ein historischer Spieltag: wann sind wir jemals in unserer gemeldeten Aufstellung ohne einen Ersatzspieler angetreten?
Die Hoffnung auf eine schwächere Aufstellung der Gäste erfüllte sich nicht, im Durchschnitt waren sie um mehr als 50 DWZ pro Brett stärker.
Und so nahm der Mannschaftskampf einen recht einseitigen Verlauf, auch wenn einige Partien sehr umkämpft waren.
Amir hatte z.B. wie gewohnt eine von Beginn an spannungsreiche Partie, in der beide Kontrahenten schon in der Eröffnung eine Menge Bedenkzeit investierten. Amir stand nach eigener Aussage schon früh auf Gewinn, mit Qualle und zwei Bauern mehr. Allerdings war die Stellung sehr kompliziert und voller Fallstricke, so dass so langsam auch die Bedenkzeit schmolz. Dann wandelte sich der Materialvorteil in zwei schwarze Türme gegen weiße Dame. Doch die Türme waren passiv und die Partie drehte sich. Letztlich wurde ein weißer a-Freibauer zum Matchwinner.
Als erster war Sven fertig mit einem soliden und schnellen Remis.
Dann drohte Gerardos Partie im frühen Mittelspiel den Bach runterzugehen. Sehr passive Stellung, Minusbauer, da hätte ich keinen Pfifferling mehr gewettet, dass er das noch halten kann. Aber er hat einfach zäh verteidigt und konnte sich ein wenig befreien. Und dann gab es eine Abwicklung in ein Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern, was leicht remis zu halten war.
An den anderen drei Brettern in der unteren Hälfte sah es für mich lange Zeit ausgeglichen bzw. unklar aus, doch irgendwann kippten alle Partien leider recht schnell zu unseren Ungunsten.
Meine eigene Partie hat mich gelehrt, dass ich mir nun endlich mal eine andere Variante gegen den g3-Aufbau im Königsinder anschauen sollte, nachdem ich in letzter Zeit einige Male Schiffbruch erlitten habe. So auch diesmal in einer recht freudlosen Partie, als ich auf der Suche nach Gegenspiel einen Bauern opferte, mein erhofftes Gegenspiel aber wirkungslos verpuffte.
Nur Murat konnte überzeugen. Immerhin habe ich als Mannschaftsführer einen kleinen Anteil an seinem Sieg, denn ich riet ihm, das gegnerische Remisgebot aufgrund des schlechten Spielstands abzulehnen. Beide hatten noch Turm und Springer, aber Murat die bessere Bauernstruktur. Und in beiderseitiger Zeitknappheit konnte er in Kombination mit Mattdrohungen den gegnerischen Springer gewinnen.
Diese Niederlage gegen den souveränen Tabellenführer war zwar kein Beinbruch, aber im nächsten Spiel haben wir mit Brett vorm Kopp einen direkten Abstiegskonkurrenten als Gegner, und da müssen wir wieder punkten.
von Hendrik Raab
Unser Auswärtsspiel in Bad Homburg stand zunächst unter keinem guten Stern. Nicht nur, dass eine Regelung aus der Hessischen Turnierordnung unerwartet erstmalig im Bezirk angewandt wurde, was unsere mögliche Ersatzspielerzahl für den weiteren Verlauf der Saison limitiert, es mussten dann auch noch zwei kurzfristige Ausfälle verkraftet werden. Um die Ambitionen unserer 2. Mannschaft bezüglich eines möglichen Aufstiegs nicht zu unterminieren, verlagerten wir die Spielerproblematik in unsere 3. Mannschaft.
An Brett 8 hießen wir Max Schmidt in seinem vorerst letzten Spiel für uns willkommen, aus beruflichen Gründen wird er mit seiner Familie leider Frankfurt verlassen. Wir haben uns alle sehr gefreut, dass Max noch einmal mit uns gespielt hat – auch wenn zuvor nicht sicher war, ob dieses Brett gewertet werden würde, da unser Protest gegen die neu angewandte Regelung noch nicht abschließend beschieden war. Darüber hinaus mussten wir Brett 2 leider frei lassen. Mit Uli E. war ein zweites Offenbacher Schlachtross mit am Start, die Motivation aller Spieler war groß, trotz aller Widrigkeiten fragten wir uns, was sollte hier schiefgehen.
Max, eigentlich als Ersatzspieler für unsere 1. und 2. Mannschaft vorgesehen, aus oben genannten Gründen dort aber leider nicht (mehr) einsetzbar, gewann als erster sein Spiel und glich damit unser kampflos verlorenes Spiel aus. 1:1 – oder eben 0:2. Wir rechneten lieber konservativ in dem Sinne, dass unser Protest abgewiesen werden würde, das heißt es waren noch einige Punkte zu holen.
Uli kam ähnlich schlecht aus der Eröffnung wie ich. Max‘ versuchte in der ihm eigenen Art Uli zu motivieren: „Man stehst du schlecht!“. Mein jugendlicher ukrainischer Gegenspieler überspielte mich an Brett 1 aus der Eröffnung heraus auch klar – und fand mit einem temporären Opfer auch die richtige Fortsetzung. Dafür standen Kolja, Luis, Thomas und Bao an ihren Brettern ausgeglichen bis besser.
Von den Partien von Thomas und Luis habe ich leider wenig mitbekommen, da ich mich doch oft meine eigenen Berechnungen versinken musste. Erst als Thomas mit mehr Material im Endspiel stand, wagte ich wieder einen Blick, die gewonnene Stellung setzte Thomas souverän um, der (um Max‘ Partie) bereinigte Zwischenstand also 1:2. An Uli Brett wandelte sich währenddessen die Stellung vom Mittel- zum Endspiel, so langsam beschlich einen das Gefühl, Uli könnte besser stehen. Gleichzeitig verschlechterte sich die Stellung von Bao, es blieb spannend. Als nächstes konnte Uli einen Sieg einfahren, er brachte seinen Gegner mit verschiedensten Gabeldrohungen durch seinen Springer am Ende fast zum Wahnsinn, von außen hübsch anzuschauen. Und, wie Max anschließend meinte: „Bärenstark gespielt das Endspiel!“. 2:2
Auch bei mir, an Brett 1, wandelte sich unterdes die Stellung: Nachdem mein Gegner, nach seinem Opfer, einen ungenauen, um nicht zu sagen schlechten, Zug einbaute, schlug ich zurück. Ich entdeckte, dass ich nun meine Dame geben konnte, als Ersatz für zwei Türme, die ich auf der gegnerischen Grundreihe schlagen konnte, sowie weiteren Druck, der mir, so ich mich nicht verrechnet hatte, im Weiteren sogar noch eine Leichtfigur einbringen sollte. Tatsächlich war die Rechenzeit gut investiert, alles ging auf, wie berechnet – und nun hatten wir eine Stellung mit zwei offenen Königen und beidseitigen (Matt-)Drohungen. Glücklicherweise berechnete ich alle gegnerischen Drohungen richtig, was bei vielen möglichen Damenzügen, die im Verbund mit einem Läufer starke Angriffe auf meinen König ausübte, keineswegs selbstverständlich war. Leider übersah ich in meinen eigenen Angriffsbemühungen allerdings ein mehrzügiges Matt. In der Endstellung verblieb ich mit zwei Türmen + Springer gegen eine Dame, die meinen König jedoch beständig ins Schach setzen konnte, so dass ich das Remisangebot meines Gegner annahm. 2,5:2,5
Kolja kam nun sehr unzufrieden bei mir vorbei und meinte, dass er seine wirklich gute Stellung leider verloren habe, was aber kurz danach durch Luis‘ Sieg wieder ausgeglichen wurde. 3,5:3,5
Nun hing es an Baos Endspielkünsten, welcher ein Turmendspiel mit einem Minusbauern durchzustehen hatte. Ob beiden Spielern jederzeit die Philidor-Position sowie die Lucena-Position im Hinterkopf präsent waren, erschien von außen nicht ganz klar, die Stellungsbeurteilung schien uns jedenfalls häufiger zu wechseln. Letztendlich gelang es Bao nach großem Kampf und zu später Stunde, das entscheidende Remis zum 4:4 einzufahren, was bei lediglich 6 spielberechtigten Brettern als großer Erfolg angesehen werden kann.
Bao, Max, Uli und ich ließen anschließend den Abend noch bei gutem Essen und einem Kühlgetränk im „Kleinen König“ in Gonzenheim ausklingen, bevor es mit der Bahn zurück nach Frankfurt ging.