von Ludger Brüggemann
Sven (s) remis
Ludger (w) 0:1
Michael (s) remis
Markus (w) 1:0
Gerardo (s) 0:1
Peter (w) 0:1
Alexander (s) 0:1
Peer (w) remis
Zum Saisonabschluss konnten wir uns entspannt an die Bretter setzten, da wir den Klassenerhalt ja schon in der Tasche hatten.
Es ging also nur noch darum, eine interessante Partie Schach zu spielen.
Das gelang an vielen Brettern auch, leider einzig bei Markus mit erfolgreichem Ausgang.
Zuerst gaben sich Sven und Behrang Sadeghi am ersten Brett nach wenigen Zügen die Hand zum Remis.
Die restlichen Partien waren dann alle umkämpft.
Gerardo musste allerdings schon bald die Segel streichen. Nach missglückter Eröffnung wurde sein Damenflügel zertrümmert, vor allem durch die Wirkung des gegnerischen Lg2 auf der langen Diagonale.
Meine eigene Partie ging auch relativ bald im Mittelspiel den Bach runter. Ich war mal wieder zu optimistisch bei der Einschätzung einer Abwicklung, bei der ich zwei Figuren gegen einen Turm plus zwei Bauern gab. Durch ein dummes Übersehen habe ich einen dieser Bauern gleich wieder verloren und gleichzeitig zuviel Aktivität der gegnerischen Leichtfiguren zugelassen. Der Rest war Agonie im Endspiel.
Nun waren wir schon zwei Punkte im Minus, aber die verbleibenden Partien sahen alle gar nicht so schlecht aus.
Dann kam aber auch Peter gegen seinen jugendlichen Gegner unter die Räder. Dieser hatte in der Eröffnung einen Bauern geopfert und belagerte den weißen Mehrbauern auf d4 seitdem konsequent. Bei der Verteidigung hat Peter dann seinen Königsflügel wohl ein wenig vernachlässigt, wo dann der schwarze Gegenangriff durchdrang und eine Figur verlorenging.
Inzwischen hatten Michi und sein Gegner ordentlich Zement angerührt und eine ziemlich blockierte Stellung produziert, wo ich mit baldigem Remisschluss rechnete. Aber obwohl es ja aus Mannschaftssicht um nichts mehr ging außer einem guten Tabellenplatz, war hier der Kampfgeist noch groß und es wurde munter hin- und hermanövriert.
Am achten Brett hat Peer seinen wesentlich DWZ-stärkeren Gegner mächtig unter Druck gesetzt und genau wie ich zwei Figuren gegen Turm und zwei Bauern gegeben. Aber unter komplett anderen Vorzeichen: Peer hatte einen starken Freibauern mit viel Druck mit Dame und Turm auf den gegnerischen König und stand zwischenzeitlich wohl auf Gewinn. Leider übersah er ein überraschendes Läuferopfer in seine Königsstellung, wodurch sein Gegner ein Dauerschach hatte.
Und Alexander spielte lange auf Augenhöhe gegen seinen ebenfalls stärkeren Gegner. Aber dann entglitt ihm die Partie im Endspiel. Das war wieder ein Beispiel, dass nicht alle Endspiele mit ungleichfarbigen Läufern remis sind.
So blieben die Partien von Michi und Markus übrig, die sich noch länger hinzogen: Markus hatte durch geduldiges Druckspiel einen Materialvorteil erreicht mit Turm plus zwei Leichtfiguren gegen die schwarze Dame. Aber dieser Vorteil wollte erst noch verwertet werden. Und in kleinen Schritten schaffte Markus es, das Material so zu reduzieren, dass dem Gegner nur noch die nackte Dame blieb und Markus einen Freibauern schaffen konnte. In der Zwischenzeit gab es tatsächlich den fälligen Remisschluss am dritten Brett, und bald danach fuhr Markus in der längsten und anstrengendsten Partie des Tages den vollen Punkt ein, nachdem er alle Pattfallen umschifft hatte.
von Thomas Casagrande
Ritter der traurigen Gestalt!
Geistig bis an die Zähne bewaffnet, fuhren wir hochmotiviert zum Tabellenführer der Bezirksoberliga nach Oberursel. Man merkte das Motto uns allen an: Habt Mut zum Kämpfen, habt Mut zum Siegen! Die Ausgangslage war klar: Wir mussten mindestens 5-3 gewinnen, um wieder in die Landesklasse aufzusteigen.
Unser Gegner stellte, bis auf das letzte Brett, eine durchweg blutjunge aber spielstarke Mannschaft. Grover saß einem Jugendlichen gegenüber, der bisher fast alles an Brett 1 abgeräumt hatte. Michael an 2 und Ralph an 3 spielten gegen zwei sehr junge Männer, die uns schon im Pokal begegnet waren und dabei Markus Kania und mir einige Probleme gemacht hatten. Marias und Timos Gegner an 4 und 5 waren Jugendliche, während ich an 6 und Mari an 7 es gar mit Kindern zu tun bekamen. Max spielte am letzten Brett gegen die großväterliche Verstärkung des Oberurseler Jugendteams, den achtzigjährigen hessischen Spitzenspieler Jürgen Haakert.
Nach ungefähr einer Stunde Spielzeit konnten wir optimistisch in die Zukunft schauen. Grover setzte mit Weiß mit seinem geliebten Londoner System seinen Gegner unter Druck. Michael hatte mit Schwarz mit zwei Bauern auf e5 und c5 den weißen Bauern auf d3 festgenagelt und wartete geduldig auf seine Chance. Ralph kam mit seinem geschlossenen Sizilianer langsam zu einem Königsangriff und Maria fühlte sich mit Raumvorteil wenn auch einem isolierten Damenbauern im Caro-Kann sichtlich wohl. Timo spielte recht aggressiv das London System und hatte eine Batterie mit Läufer und Dame auf der Diagonalen c2 – h7 aufgebaut. Meine Versuche mit meinem Gegner, der in der bisherigen Saison fast jede Partie gewonnen hatte, vor dem Spiel mit den Worten „Wir zwei spielen jetzt jung gegen alt“ einen freundlichen Kontakt aufzunehmen, scheiterten an seiner stoischen Schweigsamkeit und regungslosen Mimik. So entwickelte sich auch unsere Partie, still und positionell. Ich war mit meiner Stellung im Caro-Kann zufrieden und wartete geduldig auf eine Ungenauigkeit meines jungen Gegenübers. Mari hatte in der Spanischen Eröffnung mit dem Tausch auf c6 Schwarz einen Doppelbauern verpasst und begann bald die unkoordinierten Figuren ihres neunjährigen Gegners unter Druck zu setzen. Last but not least hielt sich Max tapfer gegen den Altmeister und stand solide und wenig gefährdet.
Der erste Dämpfer war das Remis von Maria. Irgendwie hatte ich und vielleicht auch sie etwas mehr erhofft. Aber machte nichts, denn noch war ja alles in Butter! Kurz darauf gewann Mari souverän ihre Partie. Ihrem Gegner war es nicht mehr gelungen seine Figuren wirksam zu positionieren, sodass mehrere Bauernverluste die Folge waren. Aber der neunjährige Junge ließ es sich nicht nehmen weiterzuspielen bis er mattgesetzt wurde. Aufgeben schien für ihn keine Option.
Fast gleichzeitig endeten dann die Partien von Max Walk und Ralph Ottenburg. Max hatte sich irgendwie auf der Grundreihe einschnüren und etwas unnötig Matt setzen lassen. Jürgen Haakert schien der glückliche Ausgang fast peinlich. Jedenfalls hörte ich ihn mehrmals sagen, wie leid es ihm täte! Ralph hingegen führte seinen Angriff auf den König des Gegners konsequent mit einem schönen Mattbild zu Ende. Inzwischen waren meinem Gegner im Endspiel einige kleinere Ungenauigkeiten unterlaufen und ich konnte die C Linie mit meinen Türmen besetzen und war mir langsam sicher, das Ding nach Hause zu fahren.
Als dann Grover von einer Mehrqualität nicht profitieren konnte, sondern gar in einen Gegenangriff geriet, musste er überraschend die Waffen strecken. Man merkte ihm seine Enttäuschung an. Bitter, aber kein Grund zur Sorge, dachte ich. Michael und Timo standen besser und von meinem vermeintlichen Sieg war ich ähnlich überzeugt, wie Don Quichotte bei seinem Kampf gegen die Windmühlenflügel. Nach einer weiteren Ungenauigkeit meines jungen Gegners springt die Stockfish Bewertung von -1 auf -3,6. Ich hatte meine Rosinante und sechs Bauern gegen einen müden Läufer und vier Bauern und sah zwei deutliche Gewinnwege. Entweder langsam und solide meine Springer zurückziehen und den Vormarsch seiner drei Bauern gegen meine zwei auf dem Damenflügel stoppen oder schnell und sicher noch einen weiteren Bauern auf dem Königsflügel schnappen, um dann zurück zu galoppieren. Gedacht, getan! Ich muss ein unsäglich dummes Gesicht gemacht haben, als mir nach einem weiteren Bauernzug meines Gegners bewusst wurde, dass meine Rosinante auch beim besten Willen es nicht schaffen würde von g5 nach c5 zu springen. Im Blitz hätte ich die Partie wegen eines unmöglichen Zuges verloren. Hier konnte ich nur frustriert aufgeben. 4 Stunden gut gespielt, einmal falsch gedacht und aus die Maus. Zeit für mich mit dem Wettkampfschach aufzuhören, war der einzig vernünftige Gedanke, der mir nach diesem Desaster noch in den Kopf kam.
Dass Michael und Timo verdient ihre Partien gewannen, erfuhr ich dann erst aus dem Internet. Ich hatte mich schon mit dem Fahrrad nach Hause auf den Weg gemacht. Ganz bitter, denn hätte ich die Rosinante gezügelt und gewartet, hätte uns sogar ein Remis zum Aufstieg gereicht. So sind wir punktgleich auf dem zweiten Platz mit einem Brettpunkt weniger gelandet. Sorry Leute, aber blöder habe ich schon lange keine Partie mehr verloren und einen Aufstieg vergeigt!
von Günther Reinhold
In der Bezirksklasse ergab sich vor dem letzten Spiel die kuriose Situation, dass mehrere Mannschaften fast punktgleich waren, darunter unsere 4. auf dem vorletzten Platz. Somit mussten wir gewinnen, um den Abstieg sicher zu vermeiden. Ein 4:4 hätte im Nachhinein noch gerade so gereicht. Unser knapper Sieg von 4,5:3,5 hat uns hingegen vom 9. auf den 5. Platz katapultiert!
Wir holten unsere Punkte vor allem dank starker Ersatzspieler an den unteren Brettern.
Ale erstes gewann Junis an Brett 8, der schon früh im Mittelspiel eine Figur gewinnen konnte.
Das nächste Ergebnis (wenn ich die Reihenfolge richtig behalten habe - der Kampf ging insgesamt recht schnell) war ein Remis von Linus an Brett 2. Er hatte mit Weiß zeitweise optisch gut gestanden, aber sein Gegner konnte die Stellung konsolidieren und am Ende zwei Türme gegen die Dame behalten.
Vincent an Brett 5 hatte mit Schwarz ein etwas ungewöhnliches System gegen die e4-Eröffnung gespielt, das aus meiner Sicht aber solide schien. Irgendwann verlor er einen Bauern und später die Partie.
Mein Gegner an Brett 1 spielte mit Weiß ein solides aber auch etwas langsames Königsfianchetto, wobei ich bald ausgleichen konnte. Bei einer Tauschabwicklung konnte ich mit einer kleinen Taktik eine Bauern gewinnen. Wir landeten schließlich in einem Turmendspiel, bei dem ich leider ein paar Gewinnchancen ausließ. Als mein Gegner mit Stellungswiederholung "drohte", sah ich keinen Gewinnweg mehr, was später auch vom Computer bestätigt wird. Mit Blick auf die laufenden Partien, in denen wir m.E. recht gut standen, willigte ich ins Remis ein.
Robert an Brett 6 hatte in einer aggressiven Eröffnung mit Weiß großen Druck auf die gegnerische Stellung aufgebaut. Seine Gegnerin konnte zwar lange Materialverlust vermeiden, musste sich aber schließlich geschlagen geben
An Brett 7 wählte Michael mit Schwarz eine französische Struktur, was zunächst solide aussah. Vermutlich hat Weiß dann zu ungestüm angegriffen, der weiße König war schließlich ohne Schutz und Michael konnte einiges Material und damit die Partie gewinnen.
Bei Grigor an Brett 3 war ein kompliziertes Mittelspiel entstanden, das ich nicht einschätzen konnte. Im Springerendspiel kam es zu eine Bauernwettrennen, bei dem beide Seiten eine Dame bekamen, die bald getauscht wurden. Es "drohte" nun ein weiteres Bauernwettrennen, bei dem aber die Könige auf beiden Seiten rechtzeitig eingreifen konnten, jedenfalls haben es die Kontrahenten so gesehen und Remis vereinbart.
Damit hatten wir mit 4,5 Punkten gewonnen, das war allerdings knapper als von mir zu diesem Zeitpunkt eingeschätzt, denn in der noch laufenden Partie an Brett 4 stand Simon aus meiner Sicht besser. Er hatte sich mit Weiß gut aufgebaut und einen Bauern gewonnen. Aber wie es manchmal so geht, hat er noch verloren. Den Partieschluss habe ich nicht mitbekommen, da ich wegen des guten Wetters nicht bis zum Ende geblieben bin.
Trotzdem ein gelungener Saisonabschluss für die 4. Mannschaft!