Hessenliga
FTV I - SK Gernsheim I 4:4
von Amir Rezazadeh
Am Ende steht ein verdientes 4:4 – mit dem Gefühl, dass sogar ein bisschen mehr drin war.
Brett 1 (Schwarz, 0)
Am ersten Brett konnten wir mit Schwarz schnell aus der Eröffnung ausgleichen. Eine ungenaue Fortsetzung gab dem Gegner dann Gegenspiel gegen den Zentrumsbauern d4. Nach einem Schlagabtausch war Weiß schließlich einen Tick präziser – und hatte am Ende die Nase vorn.
Brett 2 (0,5)
Am zweiten Brett standen wir dynamisch in Konterstellung. Schwarz versuchte am Damenflügel Raum zu gewinnen, im Zentrum wurden einige Leichtfiguren getauscht. Ein Freibauer auf c3 schien kurzzeitig möglich, aber Sven fand starke Züge, die das sofort neutralisierten. Verdientes Remis.
Brett 3 (Schwarz, 1)
Vorher gab’s noch ein kurzes Teamgespräch mit Ludger – und danach war die Sache tatsächlich “geritzt”. Er schob konsequent die Zentrumsbauern e5 und d6 nach vorne – jeder wusste: das ist schon die halbe Miete.
Im weiteren Verlauf kam ein sehr schönes Figurenspiel dazu: erst Druck am Damenflügel gegen die zerrüttete Bauernstruktur, dann Umschalten auf den Königsflügel. Als der Gegner zu gierig wurde und den Bauern auf a7 einsammelte, kam Lf3+ – und plötzlich stand ein direkter Mattangriff im Raum, weil die weiße Dame zu weit weg war. Klarer Sieg für Schwarz.
Brett 4 (Weiß, 1)
Murat spielte eine sehr starke Partie: Er hatte deutlich mehr Zeit und die bessere Stellung. Sein Figurenspiel im Zentrum und der Druck mit der Bauernmajorität am Königsflügel führten zu einer schönen Blockade der hängenden schwarzen Bauern auf e6 und d5.
Später kam ein sauberer Zwischenzug: Txh7+ und danach Td7 – dadurch gewann er einen gesunden Mehrbauern, der im Turmendspiel als verbundener Freibauer den Sieg brachte. Sehr überzeugend, der Gegner hatte praktisch keine Chance.
Brett 5 (Schwarz, 0,5)
Markus hatte eine komplizierte Stellung auf dem Brett, früh entstand ungleiches Figurenmaterial. Er kannte die Stellung aber offensichtlich gut: Er nahm dem Gegner fast jede aktive Möglichkeit, blockierte die gefährlichen Freibauern a4 und b2 mit den Leichtfiguren und stand sogar schon besser.
Da die Mannschaftslage heikel war, entschied er sich für das sichere Remis – zumal der Gegner formal stärker war. Starkes Nerven-Remis.
Brett 6 (Weiß, 0)
Das war die bitterste Partie des Tages. Gerardo überspielte seinen Gegner in der Eröffnung und im Mittelspiel komplett – seine Züge wirkten wie aus einem Guss. Gegensätzliche Rochaden, beidseitiger Angriff, Gerardo hielt Angriff und Verteidigung gleichzeitig zusammen. Er gewann einen Bauern auf d6 und hatte einen Springer-Vorposten auf f5 – der Punkt sah lange sehr sicher aus.
Dann kam der Trick: Der Gegner opferte den Läufer auf c2. Eigentlich brach danach die Stellung auseinander, und Gerardo schaffte sogar noch, den König über das Brett Richtung Königsflügel in Sicherheit zu bringen. In beiderseitiger Zeitnot gab es die Chance, durch ein Grundreihenmotiv einfach den Turm auf c2 zu schlagen – aber in der Hektik fiel der Zug nicht. Es folgte ein Qualitätsopfer auf f6, der Gegner ignorierte das und fand mit ein paar Schachs den Weg zum Matt. Sehr bitter, weil der Punkt lange “auf dem Teller” lag.
Brett 7 (Schwarz, 0,5)
Marc erreichte mit Schwarz schnell den sicheren Hafen. Der Gegner vertat sich in der Eröffnung und improvisierte mit einem Qualitätsopfer auf f6. Danach war die Stellung unübersichtlich, aber Marc verteidigte die Initiative sauber – am Ende einigte man sich auf Remis.
Brett 8 (Weiß, 0,5)
Ingo stand solide, ohne großen Vorteil. Als er merkte, dass die Stellung zunehmend verflacht und der Gegner irgendwann die Kontrolle übernehmen könnte, entschied er sich klug für das Remis, bevor es kippt.
Fazit:
Unterm Strich: 4:4 – ein Spieltag wie ein guter Espresso: bitter am Anfang, dann kamen zwei starke Shots in der Mitte (Brett 3 und 4), und hinten raus haben wir das Ding mit vier Remisen sauber nach Hause getragen. Mit einem besseren Zeitnot-Moment an Brett 6 wäre das heute sogar ein Heimsieg mit Ansage geworden.

Blick in den Spielsaal